Besuch von den Nafsis

Nafsi Africa Acrobats und Circus Charivari- eine ganz besondere Freundschaft

Im September war es endlich soweit: die Nafsis waren nach langer Wartezeit wieder unsere Gäste.

Seit 2015 pflegen wir diese besondere Circus- Freundschaft mit den kenianischen sogenannten „ Social Artists“, die in den Slums von Nairobi mit Kindern und Jugendlichen trommeln, tanzen und Akrobatik machen. Mit einer Delegation dieser Kinder waren sie 14 Tage lang unsere Gäste, und ich glaube, dass dieses Begegnungsprojekt bleibende Spuren bei allen hinterlassen hat. Bei den Charivaris, die ungewohnte Trainings mit unglaublicher Lautstärke, unbändiger Energie und Lebensfreude erlebten, bei den Zuschauer*innen die fasziniert, begeistert und berührt waren vom Tanzen, Trommeln und Turnen der jungen Artist*innen, bei den Gastfamilien, die Türen und Herzen geöffnet hatten für fünf wundervolle Kinder und ihre Trainer*innen und natürlich bei eben jenen kenianischen Kindern, die hier bei uns zum ersten Mal in ihrem Leben in einem eigenen Bett geschlafen, in einer Badewanne gelegen, das Meer gesehen und einen Kirchturm bestiegen haben.

Es waren 14 Tage, in denen einem eigentlich ständig Tränen in den Augen standen und man sich immer wieder sagte „ So schön, so einfach und so unmittelbar kann also Begegnung sein.“ Zehn Nachmittage lang bereicherten die Sieben unsere Trainings. Der Rhythmus fuhr uns in die Glieder, wenn Givan, und Trevor trommelten, Sharon und Tamara uns die Tanzschritte zeigten, Maria uns mit schrillen Jubelrufen anfeuerte, Promise uns zeigte, wie man Flicflacs springt und Kenneth alle zu buchstäblichen Höhenflügen brachte.

Viele Charivaris trauten sich auf einmal mehr, als sie jemals zuvor gewagt hatten. Unterstützt von Kenneths starken Armen sprangen sie Flicflacs oder Rückwärtssalti und bauten schwindelerregendePyramiden. Manche Charivaris kamen in dieser Zeit jeden Nachmittag in den Circus, um ja keine Minute mit diesen besonderen Gästen zu verpassen. Es war unglaublich, was für eine Begeisterung die jungen kenianischen Artist*innen und ihre Trainer*innen bei manchen Jugendlichen auslösten.

Und auch anfangs noch schüchterne Charivaris tauten immer mehr auf und begaben sichvertrauensvoll ins „Neuland“.

An drei Vormittagen gaben die Nafsi Kids Schulvorstellungen und zeigten, dass sie sowohl Grundschulkinder als auch Teenager zu beeindrucken wussten. In besonderer Erinnerung bleibt der Auftritt in der Grundschule am Koggenweg. Hatte der Rektor mir zu Beginn gerade noch mitgeteilt, dass die Konzentrationsspanne der meisten seiner Kinder hier extrem kurz sei und er sehr skeptisch sei, wie sie das Tanztheaterstück der kenianischen Gäste wohl aufnehmen würden, mochte er kurz darauf kaum seinen Augen trauen: anfängliches Gekicher wich in kürzester Zeit Stürmen der Begeisterung. Am Ende kreischten, hüpften, jubelten 300 Grundschulkinder und wollten am Ende Autogramme ihrer „ Stars“ haben. Das waren sehr berührende Szenen der Begegnung.

Natürlich habe ich mich auch bemüht, den Nafsis unsere Stadt mit all ihren Facetten zu zeigen.

Sie waren äußerst begeistert von allen Kirchen, den Gängen, dem Holstentor, der Hafenrundfahrt, dem Blick vom Petriturm, dem Brodtner Steilufer, Gothmund und vielem mehr. Die Kinder waren unglaublich interessiert, stellten viele Fragen und setzten jeden Mittag zu rührenden Dankesreden an, in denen sie benannten, was ihnen an diesem Vormittag besonders gut gefallen hat: die Blumen auf dem Koberg, die stillen Orte mitten in der Stadt, die Tatsache, dass es überall Spielplätze gibt, die großen Schiffe auf dem großen Meer… Das absolute Highlight unseres Rahmenprogramms war eine äußerst beeindruckende Gewölbeführung im Lübecker Dom. Flink stiegen die jungen Artist*innen alle Wendeltreppen und Stiegen empor und bestaunten voller Ehrfurcht gotisches und romanisches Gewölbe.

Den krönenden Abschluss dieser zwei intensiven Begegnungswochen bildeten zwei große Benefizveranstaltungen in der Arnold Falk Halle. Den ersten Teil des Programms gestalteten die Charivaris. Nach zwei poetischen Nummern am Luftnetz und am Boden folgte eine kraftvolleStrapatennummer ( mit der sich Rasmus nach 15 Jahren vom Circus Charivari verabschiedete…) und eine beeindruckende Seiltanznummer von Leonard, der gerade ein Jahr an der Circus-Schule von Madrid absolviert hat. Anschließend zeigten die Nafsi Kids ihre temperamentvolle und mitreißende Bühnenshow. Im letzten Teil unserer sehr gut besuchten Veranstaltungen zeigten Nafsis und Charivaris dann gemeinsam ihr Können und führten all das vor, was sie in diesen zwei Wochen gelernt hatten. Kaum zu glauben, wieviele Kinder man in kürzester Zeit übereinander stapeln kann:), und ja, tatsächlich, auf den Schultern von Marie, unserer stärksten Akrobatin stand niemandgeringerer als Kenneth Owino, der Trainer der Nafsis!

An beiden Tagen ließen sich zwischen 350 und 400 Zuschauer*innen begeistern, und als wir am Ende alle gemeinsam auf Suaheli das Lied „ Maleika“ sangen, wischte sich so manche*r eine Träne aus den Augen.

Die Nafsis waren im Rahmen der Kinderkulturkarawane auf Deutschlandtournee und fuhren von hier aus weiter nach Köln. Nachdem sie fort waren standen viele unserer Jugendlichen noch lange weinend auf dem Parkplatz. Einige Wochen später ergriffen viele die Gelegenheit und fuhren zu einem Wiedersehen nach Hamburg, wo die Nafsi Kids bei einer großen Veranstaltung auftraten. Als sie uns sahen, flogen sie uns um den Hals und versicherten uns, wir seien die besten Gastgeber aller Zeiten gewesen. Sehr spontan wurden wir dann sogar noch in ihre Show eingebaut.

Ich bin zutiefst dankbar für diese so besondere und wunderbare Circus-Freundschaft.Die Nafsis haben uns Demut gelehrt, denn sie haben uns gezeigt, dass man auch dann unbändige Lebensfreude verbreiten kann, wenn man unter widrigsten Umständen aufgewachsen ist. Sie haben uns bewegt, begeistert und berührt. Aus Fremden wurden Freunde.

Ein herzliches Dankeschön an die Drägerstiftung, die durch ihre großzüge Förderung dieses Projekt ermöglicht hat! Danke auch an unseren Förderverein, allen Spender*innen und ganz besonders den Gastfamilien, die sich liebevoll um ihre Schützlinge gekümmert haben. Danke liebe Charivaris für Eure offenen Türen und Herzen!

Und danke Kenneth, Maria, Trevor, Givan, Tamara, Promise und Sharon für euren Mut, Eure Energie, Euer Strahlen, Eure Offenheit, Eure Herzlichkeit, Euer Talent und Eure Fähigkeit, das allesmit uns zu teilen.

Asante sana!

Trix Langhans