JOMO – Unsere Handy-freie Fahrt nach Bornholm
Am Freitag dem 27.03. war es endlich soweit, die langersehnte JOMO-Fahrt stand an. Die letzten Wochen hatten wir bereits jeden Donnerstagabend unter der Regie von Trix und Leonid gemeinsam trainiert und die ersten Vorbereitungen für unser Stück getroffen und Ideen gesammelt, so dass wir zumindest schon mit groben Themen für die jeweiligen Nummern arbeiten konnten.
Doch was sich daraus für ein Stück ergeben würde, davon hatte noch keiner einen genaueren Plan. JOMO, das bedeutet „Joy Of Missing Out“, was sich auf unser Konzept bezieht, dass wir uns ohne Handys oder jegliche digitale Geräte auf diese Reise begeben würden, um einfach mal komplett abgegrenzt von der Außenwelt zu sein und dieses Phänomen zu genießen.
Es fing schon damit an, dass wir die Flixbus-Fahrt zu Beginn ohne Musikhören bestreiten mussten, was für viele schon eine kleine Herausforderung darstellte, aber letztendlich gar nicht schlimm war, weil wir als Gruppe so viel Vorfreude versprühten, dass wir auch ohne anderweitige Beschäftigung mit guter Laune und Miteinander mögliche Langeweile besiegten. Bei der letzten Busfahrt zum Zirkushaus quer durch Bornholm, wurde uns von Leo und Leonid der finnische Kanon „Ja Dan Duia“ beigebracht von dem wir alle begeistert waren und freudig mitsangen, weshalb wir uns kurze Zeit später beim Proben dazu entschieden die Ringnummer mit dem gemeinsamen Singen dieses Liedes und einem anderen passenden Lied „Evening Rise“ zu begleiten.
Das Singen war sowieso ein ständiger Begleiter auf unserer Reise, nicht nur wegen der beiden Ringnummer-Lieder, die zu Ohrwürmern wurden, weil wir sie jeden Tag probten, sondern auch das abendliche Singen nach einem langen Probetag und Rainers „Wecklieder“ am Morgen, durften nicht fehlen. Trix schaffte es uns außerdem zu überreden auch neuen Liedern eine Chance zu geben und nicht immer nur „Die Elche“ zu singen, sodass wir am Ende zumindest mit einigen neuen Favoriten im Herzen nach Hause gehen konnten. Die Fahrt war geprägt von Running-Gags, wie der Effekt von Kakao auf schon übermüdete Menschen, der ansteckende Lachflashs garantierte und Ritualen wie die täglichen Vorleseabende von Rainer, in denen wir das ganze Buch „Momo“ zu hören bekamen, was hervorragend zu unserem Thema „Zeit“ passte.
Rainers Vorlesestimme war für einige die perfekte Vorlage zum Einschlafen und für alle Anderen das Highlight am Abend zum Runterkommen und Eintauchen in Momos Welt. Der nahegelegene Strand war ein unentbehrlicher Teil der Bornholm-Zeit für uns, und wer Freizeit hatte fand sich meist zu Spaziergängen, zum Lesen, Schreiben, Reden oder Malen dort wieder, wobei wir immer eine Armbanduhr oder einen Wecker pro Gruppe dabeihaben mussten, um nicht komplett die Zeit aus den Augen zu verlieren und rechtzeitig zum nächsten Proben-Block oder Essen wieder anwesend zu sein. Denn das wollte keiner verpassen, da wir alle mehr als zufrieden und dankbar für die Küchenchefs Rainer und Leo waren, die uns jeden Tag mit super leckerem Frühstück, Obstpause, Mittagessen, Kuchenpause und Abendessen versorgten.
Nach harten, anstrengenden und doch schönen Probetagen, bei denen wir an jeder Nummer feilten, hatten wir auf einmal ein Stück in der Hand und keiner konnte sich genau erklären, wie wir das jetzt in dieser kurzen Zeit hinbekommen hatten. Auch Gruppennummern, wie Akrobatik die anfangs bei allen etwas Sorge erweckten, liefen auf einmal flüssig und auch Trix und Leonid waren sehr zufrieden.Unsere Premiere war ausverkauft und lief hervorragend, sodass wir alle danach halb glücklich und halb traurig waren, weil wir ein wunderschönes Stück auf die Beine gestellt hatten, aber die Fahrt nun auch beinahe vorbei war. Man könnte nun denken, dass wir zwischendurch auch mal unsere Handys vermissten oder uns zumindest nach diesen 10 Tagen auf zu Hause und Medienkonsum freuten, doch stattdessen verschwendeten wir kaum Gedanken daran und betrachteten es gen Ende sogar eher als Herausforderung wieder in das „normale“ Leben einzusteigen und das Handy wieder in die Hand zu nehmen. Wir redeten darüber, dass es sich für uns wie ein Paralleluniversum angefühlt hatte und wie unrealistisch es sei, dass das Leben ohne uns normal weitergelaufen war und wir wieder dahin zurückkehren müssten. Daher war es auch kein Wunder, dass die meisten von uns sehr begeistert darauf reagierten, als wir auf dem Rückweg aufgrund eines Baumes auf den Gleisen in Malmö strandeten und es hieß wir hätten die Möglichkeit eine Nacht länger wegzubleiben und in der Malmö Circusskola zu übernachten. Die Mehrheit stimmte dafür und wir verbrachten einen spontanen weiteren Abend mit 2 Freund*innen der Zirkusschule in Malmö, besuchten den wundervollen Pizzaladen „Big Mammas Pizza“ und genossen noch letzte schöne Momente zusammen, bevor wir am nächsten Tag um 3:50 Uhr aufstehen mussten, um den frühen Flixbus zu kriegen und dann eine entspannte Rückreise ohne Sturmwetter hatten.
Diese ganze Zeit schweißte uns als Gruppe dermaßen zusammen, dass wir uns alle gar nicht mehr loslassen wollten, weil wir so zusammengewachsen waren und eine so tolle Gruppendynamik aufwiesen. Sicherlich hatte dies auch einiges damit zu tun, dass wir uns viel mehr auf Situationen und Menschen einlassen konnten, weil das Handy nicht als mögliche Ablenkung existierte. Dinge zu verpassen, wenn man dadurch etwas so Tolles in so kurzer Zeit mit so coolen Menschen schafft, ist also definitiv eine sehr große Freude.
Ich glaube wir alle vermissen diese Zeit jetzt schon so sehr und haben etwas Herzbluten, dass es vorbei ist, doch das Gute ist, dass unser Stück JOMO ja eigentlich gerade erst angefangen hat und wir noch 5 weitere Aufführungen dieses mega coolen Stückes zusammen zeigen können. Jeder von uns ist so stolz auf dieses Werk, was wir in so kurzer Zeit gemeinsam kreiert haben, und es bedeutet uns viel, also kommt unbedingt am 25. oder 26.04. um 16 Uhr in die Chris-Köhne-Halle bei Lübeck 1876 oder am 6. und 7. Juni in den Festsaal der Waldorfschule, wir freuen uns auf euch!
Lillian